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Da sich in Äthiopien weder Töpferscheibe noch Brennofen durchgesetzt haben, werden Tongefäße in Aufbaukeramik hergestellt. Dabei wird ein Tonwulst auf den anderen gesetzt, gepresst und mit Wasser glatt verstrichen. Häufig werden die Töpfe mit eingeritzten Mustern verziert. Dann werden sie in Feuergruben gebrannt. Die Aufgabe des Töpferns übernehmen in Äthiopien hauptsächlich die Frauen.
Auch das Korbflechten ist Frauenarbeit. Die Körbe werden aus den Fasern wilder Gräser hergestellt und für vielerlei Zwecke verwendet, wie z.B. als Vorrats- und Transportbehälter. Auch dienen sie als Esstisch in denen die Indschera-Fladen gelagert werden, die Grundbestandteil jeder äthiopischen Mahlzeit sind.
Baumwolle wird hauptsächlich von Männern zu Stoff verarbeitet. Wenn man bei einem Weber eine Shamma (den traditionellen Schal der Amhara) in Auftrag gibt, muss ihm das Garn, welches von Frauen aus roher Baumwolle gesponnen wird, dafür geliefert werden. Die Baumwollstoffe sind alle naturweiß, da das Garn nicht eingefärbt wird.
Leder wird in Äthiopien sehr häufig verwendet. Die Lederbearbeitung hat sich seit Jahrhunderten nicht verändert: die frischen Häute werden sorgfältig abgeschabt, gegerbt, weichgeklopft und dann weiterverarbeitet. In der Bekleidung ist das früher sehr verbreitete Leder von der Baumwolle abgelöst worden. Weiterhin ist das Leder aber für viele andere Zwecke unentbehrlich, wie etwa für Schuhe, Eimer, Wasserflaschen und Tragekörbe. Ganze Rinderhäute werden als Bettdecken verwendet.
Holz wird in Äthiopien für alltägliche Gebrauchsgegenstände wie Werkzeuge, Gerätschaften und Möbel verwendet. Es wird mit Beilen, Meißel, Messer und sogar mit Feuer bearbeitet. In der Landwirtschaft wird auch der Pflug aus Holz hergestellt. Er wird vor allem im nördlichen und zentralen Hochland zur Bodenbearbeitung verwendet. Im Haushalt konkurrieren Holzgefäße erfolgreich mit Töpferwaren und Horngefäßen.
Auch in Äthiopien macht man, wie überall in Afrika, gerne Musik. Die "Masenqo", eine einseitige Geige, ist eines der beliebtesten Instrumente. Ihr Schallkörper ist ein mit Tierhaut überzogener Rahmen. Die einzige Saite besteht aus Rosshaaren und wird mit einem Rosshaarbogen gespielt. Die Masenqo ist das bevorzugte Instrument der Asmari, der wandernden Sänger Äthiopiens, die bei keinem Fest fehlen dürfen.
Schmuck und Verzierungen aller Art werden in Äthiopien von allen Volksgruppen getragen. Da die Goldschmiedekunst hoch entwickelt ist, bestehen viele Schmuckstücke aus fein bearbeitetem Metall. Daneben gibt es aber genauso Schmuck aus Glasperlen oder Bernstein und aus vielen natürlichen Materialien. Da Äthiopien ein weitgehend christliches Land ist, spielt auch in der Schmuckherstellung das Kreuz eine herausragende Rolle. Kleine Silberkreuze als Anhänger scheinen heute Kreuze aus anderen Materialien bei weitem zu übertreffen.