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Schon beim ersten Hinhören fasziniert die "andere afrikanische Musik" aus Äthiopien, die sich so sehr von den bekannten Rhythmen Westafrikas unterscheidet. Gespielt wird sie von den Azmari genannten Sänger-Poeten, die durch das riesige Land wandern und so die musikalische Kultur erhalten und verbreiten.
Die Azmaris spielen traditionelle Instrumente wie die Massinko (einsaitige Violine), die Krar (sechssaitige Leier) oder die Washint (einfache Flöte). Sie begleiten sich auf traditionellen Trommeln, greifen aber auch zum Akkordeon oder zur Gitarre. Sie beherrschen zudem auch die alte poetische Tradition des Sam-Ennawarq. Vordergründig wird dabei über die Liebe gesungen, hintergründig aber kräftig Kritik an den Herrschenden und an den politischen oder sozialen Zuständen geübt.
Die äthiopische Musik hat zwei Quellen: Die eine ist die einzigartige äthiopische Kirchenmusik Zema, die seit dem vierten Jahrhundert in den oft stundenlangen Gottesdiensten gespielt wird. Ein Großteil der Liturgie wird nämlich gesungen und bei kirchlichen Anlässen ertönt die Begena, eine große Leier, die auch als "Davids Harfe" bezeichnet wird. Die andere, nicht weniger wichtige Quelle, ist die traditionelle Volksmusik, die extrem vielfältig ist. Kein Wunder bei über 70 Sprachen und mehr als 200 Dialekten, bei einer friedlichen Koexistenz von Christen mit Muslimen und Anhängern von Naturreligionen. Die mündliche Überlieferung ist voll von Lobgesängen, Märchen und Tiergeschichten. Der ganze Lebenskreis ist eingebettet in Musik. Es wird zur Arbeit auf dem Feld gesungen, aber auch bei Geburten, Hochzeiten, Festen und Tod.
- Music of Wax and Gald, Feldaufnahmen von Jean Jenkins (3CDs, Topic)
- Polyphonies of the Dorze (Chant du Monde)
- Ethiopie - Musiques vocales et instrumentales (2CDs, Ocora)
- Alemayehu Fantaye und Yohanes Afework, Traditionelle Musik aus Äthiopien (Acoustic Music Rough Trade)
- Seleshe Demassae, Songs from Ethiopia today (Haus der Kulturen der Welt, Berlin)
Zwei Namen prägen die moderne äthiopische Musik: Mahmoud Ahmed und Aster Aweke. Der äthiopische Star Mahmoud Ahmed überraschte Mitte der 80er Jahre die europäischen Freunde afrikanischer Musik mit dem Album "Ere Mela Mela". Es verbindet bluesige Saxriffs mit rollenden Rhythmen und eindringlichem Gesang zu einem Stil, der stark an Soul-Musik erinnert. Dieses Gefühl hat seinen Ursprung in der traditionellen äthiopischen Harmonik, der amharischen Fünfton-Skala. Noch populärer ist Aster Aweke. Sie ist Äthiopiens bekanntester Weltmusikstar. Sie hat ihr Heimatland aus politischen Gründen verlassen und seither eine internationale Karriere aufgebaut, ohne in ihrer Musik die äthiopischen Wurzeln zu vergessen. Beide füllen mit ihren Konzerten ganze Stadien und verkaufen hunderttausende von Kassetten.
Nach den Jahren der Dunkelheit und Unterdrückung (bis zur Revolution 1991) genießen die äthiopischen Musiker heute die Freiheit zu reisen und westliche oder andere afrikanische Musik zu hören. Internationale Jugendkultur, Reggae, westliche Pop- und Rockmusik, zairische und kenianische Sounds sind äußerst populär und fließen in die einheimische Musik ein. Chachi, Alemayehu Eshete, Netsanet Mellesse, die Ethio Stars oder die Abyssinia Band sind einige Vertreter des neuen Stils, während der Krar-Spieler und Sänger Seleshe Demassae ein Beispiel für das Weiterleben der Azmari-Tradition ist. Die Weltmusikfreunde von außerhalb möchten weiterhin das spezielle äthiopische "Feeling" hören, die jungen Trendsetter von Addis Abeba setzen auf Westliches. Wird es gelingen, die zwei Haltungen zu verbinden? Abiy Solomon, einer der neuen Stars, meinte dazu: "Wir wollen uns nicht verwestlichen, wir wollen nur Musik machen, die gleich gut ist. Wir arbeiten hart daran, um den Sound vielfältiger zu machen und die traditionellen Arrangements so zu verändern, dass sie ein wenig moderner wirken."
- Mahmoud Ahmed, Ere Mela Mela (Crammed Discs)
- Aster Aweke, Aster (Triple Earth)
- Alemayehu Eshete, Addis Ababa (Dona Wanal Sterns)
- Netsanet Mellesse, Dodge (Dona Wanal Sterns)
- Ethio Stars & Tukul Band, Amharic Hits (Piranha)
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