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Die 30.000 Bewohner von Nono Selle waren buchstäblich abgeschnitten. Nur ein gefährlicher Weg führte zur Außenwelt: eine wackelige Hängebrücke aus Lianengeflecht und Weidenzweigen über den Ganschi-Fluss. Ein Fluss, der ihnen jeden Tag Angst machte. Todesangst. Denn Frauen, die zum Markt mussten, Kinder auf dem Weg zur Schule, Väter, die ihre kranken Babys zum Doktor bringen wollten – sie alle mussten mit klopfendem Herzen über die unglückselige Hängebrücke. Sie hangelten sich auf ihr über die Fluten. Mit jedem Schritt wankte sie mehr. Und damit auch der Mut der Menschen.
Immer wieder forderte der Fluss Tribut: Waren, die den Menschen entglitten, Vieh und sogar Menschen fielen in den Fluss. Als Almaz und Karlheinz Böhm den Distrikt Nono Selle besuchten, entschieden sie spontan, eine richtige Brücke zu bauen, die die Voraussetzung für eine bessere Zukunft schafft. Die neue Verbindung über den Ganschi-Fluss sollte eine sogenannte Bailey-Brücke werden, benannt nach dem Erfinder von sicheren Behelfsbrücken: Das Gerüst der Brücke ist aus Stahl und kann aus Einzelteilen zusammengesetzt werden, die nicht schwerer sind als 300 Kilogramm – ein entscheidendes Kriterium in einer Gegend, in der der Transport von Baumaterials über Stock und Stein erfolgen muss. „Ich glaube nicht, dass es auf der ganzen Welt noch eine Gemeinde gibt, deren Mitglieder sich wie wilde Tiere über eine Hängebrücke bewegen müssen“, sagt Beamter Tarekegn Lemma. „Deshalb ist der Brückenbau von Menschen für Menschen für uns von historischer Bedeutung.“
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