| Kontakt | Sitemap | Impressum | Häufige Fragen | Jugendbereich | | Materialien | Presse |
 
 
Alles begann vor 26 Jahren mit einer christlich-orthodoxen Pilgerreise in den Norden ihres Landes. Abebech Gobena, damals Anfang vierzig, fand am Straßenrand eine tote Frau, die ein Baby in den Armen hielt. Das Kind weinte vor Hunger und suchte die Brust der toten Mutter, ein Leid, das Abebech nicht mit ansehen konnte. Sie begrub die Tote, lud sich die Kleine auf und schleppte sie mit zu sich nach Hause.
Es war nicht das einzige Mal, dass sie sich hinreißen ließ, Waisenkinder aufzunehmen. Nach und nach hatte sich ihre ärmliche Behausung mit unglücklichen Kindern gefüllt, bis es ihrem Mann und seiner Familie zu viel wurde. Sie setzen Abebech Gobena und "ihre" 21 Kinder vor die Tür. Sie fanden in einem Stall Unterschlupf und Abebech Gobena schlug sich fünf Jahre lang mit der Kinderschar durch, verkaufte selbstgemachtes Bier, Honigwein und Brot, dann erhielt sie von der Stadtverwaltung ein Stück Land in einem der ärmsten Viertel der Hauptstadt Addis Abeba, auf dem sie ein Heim bauen konnte, nicht viel mehr als eine Hütte.
Mit dem Tag, an dem Karlheinz Böhm dort erschien, kam die Wende zum Guten. Es war im Jahr 1991, er hatte von der engagierten Heimleiterin gehört, besuchte sie und schätzte ihren Einsatz und Mut. Bevor er ging, versprach er ihr Unterstützung für den Bau eines Kinderheims. Abebech Gobena konnte es nicht fassen, "ich tanzte vor Glück mit den Kindern. Endlich hatten wir eine Perspektive." Die überreichte Summe reichte für den Bau eines Heims, in dem sie 160 Kinder unterbringen konnte. Nach und nach richtete sie Werkstätten ein, in denen die Kinder schneidern, weben, schreinern und backen lernen, inzwischen gibt es einen Kindergarten und eine Schule, eine Krankenstation und Waschräume für alle Menschen des Stadtviertels.

Das Projekt hat sich erweitert: Aus der kleinen Initiative ist eine professionelle Organisation entstanden, die sich auf die Unterstützung von Menschen für Menschen verlassen kann. Mehr als 5300 jungen Menschen haben Abebech Gobena und Karlheinz Böhm inzwischen geholfen. Dennoch ist der Bedarf an Heimplätzen nach wie vor groß. "Immer wieder fragt die Stadtverwaltung bei mir an, ob ich ein Kind aufnehmen kann. Früher habe ich nur die hungernden Kinder zu mir geholt. Jetzt legen sie mir immer mehr Aids-Babies einfach vor unser Tor", erzählt sie. Wichtig ist ihr deshalb die Aufklärung über die HIV-Gefahr im Schulunterricht.
Manchmal nimmt sie auch größere Kinder wie die heute 15jährige Yemidawork Solomon aus dem Hochland auf. "Mein Vater starb, als ich zwölf war. Meine Familie ist arm, deshalb sollte ich verheiratet werden. Da brachte mich Karlheinz Böhm zu Abebech." Heute besucht Yemidawork Solomon die zehnte Klasse und träumt davon, Ärztin  zu werden.
 
|